EIN TEAM, ZWEI ESEL | SOLAR WANDERKINO NEPAL 2013


Das Pilot-Projekt Solar Wanderkino Nepal 2013 schuf mit dem Werkzeug Film 
eine Artikulationsplattform für ländliche Bevölkerungsgruppen im Westen Nepals.
Ein Konzept der kulturellen Entwicklungszusammenarbeit, 
auf dem Swiss Solar Culture weiter aufbauen wird.

 

Das Solar Wanderkino Nepal war von Ende März bis Ende Mai 2013 in Mid West Nepal unterwegs. Das schweizerisch-nepalische Team wanderte mit zwei Maultieren von Dorf zu Dorf, um mit der Landbevölkerung kurze Dokumentarfilme zu realisieren und auf der mitgebrachten Leinwand vorzuführen. Entstanden sind teils kontroverse Filme über den Dorf-Alltag.

 

Die Filmwissenschaftlerin Maria Suhner und der Geograf Jorrit Bachmann waren mit ihrem Team als «Solar Wanderkino Nepal» im abgelegenen Westen des Landes unterwegs. Das siebenköpfige Team wanderte von der Hill-Region bis in die Montain-Region durch die Provinzen Jajarkot, Dailekh und Kalikot. Für den Ortswechsel benötigten sie einen halben bis vier Tage. Selten gab es Strassen, teilweise kaum Pfade. In vielen kleinen Dörfern und Siedlungen blieb das Team mehrere Tage, um einigen BewohnerInnen die Produktion eines Kurzfilms über ein selbst gewähltes gesellschaftsrelevantes Themen zu produzieren. Dieser wurde dann jeweils am Ende des Aufenthalts vor einem nepalesischen Hauptfilm openair auf der 4x3m grossen Leinwand gezeigt. Die Hauptfilme hatten einen direkten Bezug zum Alltag in den Dörfern. Sie schnitten Themen wie Kastenrassismus, häusliche Gewalt oder Arbeitsmigration an, eröffneten dem Publikum so einen neuen Zugang und regten zur Diskussion an. Auf der zweimonatigen Tour wurden in 16 Dörfern 18 Filmabende durchgeführt und 11 Videobeiträge produziert. Die Energie für Kamera, Schnittpult und Kino spendete die Sonne. So wurde beispielsweise am Tag der Vorführung ganz einfach Sonnenlicht mit Hilfe von Solarpanels eingefangen, dieses in einem Chemie-Koffer gespeichert und im Dunkeln via Projektor wieder freigelassen. Dank dieser Technik - kompakt verpackt mobil auf Mensch und Tier - war es möglich, in Gebieten mit geringer Infrastruktur (kaum ein Dorf verfügt über Elektrizität) Filme zu produzieren und auf die Leinwand zu bringen.




 

Das Solar Wanderkino Nepal zog durch das Hügelland, durch die Berge am Fusse des Himalayas und brachte nepalische Filme in Dörfer, die ruhig in der Sonne an Hängen, auf Kuppen und in Tälern lagen. «Niemand konnte wissen, womit wir in ihre Dörfer kamen, niemand wusste, dass es eine Gruppe, ein Team mit Leuten aus Nepal und der Schweiz und zwei Eseln gibt, die stunden- und tageweise über die kleinen Pfade zogen, schwer beladen mit Kino, Solarkraft und Filmausrüstung. Viele Male wurden wir sofort sehr herzlich begrüsst, vom ganzen Dorf, mit aufgestelltem Willkommenstor, Blumenkränzen und sagenhaft langen Ansprachen – und etwas kürzeren von unserer Seite.  Wir erklärten den Leuten, was das Wanderkino ist, dass die Kamera, die wir mit uns führten, in Hände des Dorfes gegeben wird, um Filme fürs Dorf zu machen, über Angelegenheiten, die das Dorf beschäftigen.» Schnell fanden sich Interessierte, die am Filmtraining partizieren wollten. Nach einem kurzen Training begann «das Ausprobieren, das Fragen, das Helfen, der faszinierte Blick durch die Kamera – eine Welt im Rahmen. Unglaublich schnell wurde das Handwerk begriffen, hatte die neue Filmcrew zahlreiche Ideen und filmte sofort los. Über Nacht wurde ein Thema gesucht, das möglichst viele Dorfbewohner ansprechen sollte. Sie diskutierten und fanden das Thema, mal über Wasser, über soziale Strukturen, über die lokale Wirtschaft oder die kulturellen Bräuche. Sie suchten die besten, abgelegensten Standorte für Panoramaaufnahmen, kletterten die Felsen hoch, filmten, sprangen mit ihren Flip-Flops wieder die Felsen hinunter, in einer Hand die Kamera und in der anderen ein Kleinkind. Mit der Kamera in der Hand begann sich eine Aufgabe zu entwickeln: ein Film fürs eigene Dorf, produziert von einem selbst.» Während zwei, drei Tagen wurde ihr Thema aufgearbeitet, konzeptualisiert und auf Video gebracht. Sie führten die Kamera, den Ton und die Interviews, das Wanderkino Team hielt sich im Hintergrund, begleitete die Aufnahmen, gab Tipps und schnitt den Beitrag zusammen. Gross war die Freude, als der Film vor dem ganzen Dorf openair vor dem Hauptfilm gezeigt wurde: «Alle kamen aus ihren Häusern, Kinder, Junge, Alte, Frauen und Männer. Es trafen Leute ein, die über Stunden durch die Berge gelaufen waren, um das bewegte Licht und die Geschichten der Dörfer zu sehen. Um die zwei- bis dreihundert Zuschauer umringten die Leinwand, hörten der Filmcrew zu, die vor der Projektion gern und lang ins Mikrofon sprach.»

Maria Suhner/Jorrit Bachmann, gekürzt aus Cinema Jahrbuch, 2014.

 


Hauptpartner:

DEZA

Helvetas

Sherpa Outdoor
Sherpa Tensing
goSolar 

Einblick in Filmauswahl

Schlüssel: SSCSWN

Team 2013

Das Team, das nebst dem Humangeografen und der Filmwissenschaftlerin aus Zürich aus einem Politikwissenschaftler und Übersetzer aus Kathmandu, einem Journalisten aus Dailekh, zwei Helfern und Trägern aus der Umgebung und einem Eseljungen bestand, wurde auf schwierigen Etappen durch lokale Träger unterstützt. Für eine Woche wurde es von Dan Stein aus Genf und für ca. drei Wochen von Monika Brunner aus St. Gallen begleitet.

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Maria Suhner Filmwissenschatlerin, Sozialarbeitend

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Jorrit Bachmann Geographe, Umweltwissenschaftler,  Bühnentechniker

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Abhimanyu Politologe, Literaturwissenschaftler, Übersetzer

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Bhakta Journalist, Social Mobilizer, Poet

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